Ich frage nicht  2002

Ich frage nicht nach Deinen Gefühlen.
Deine Handlungen sind die Antworten, die ich brauche.

Ich frage nicht nach Deinen Erfahrungen.
Dein Verhalten ist mir Aussage genug.

Ich frage nicht nach Deinen Gründen.
Deine sind so gut wie meine eigenen.

Ich frage nicht, wer Du bist.
Du kennst mich nicht.

 

Mauern und Fassaden  2002

Die Stirn an den kühlen Steinen,
trocken, glatt und unveränderlich,
mildert das triefende Fieber des Alltags
im schleimigen Sumpf der Menge und dumpfen Enge.

Die Hand an der harten Wand,
starr, aufrecht und unerschütterlich,
stoppt das unsichere Schwanken der Gefühle
im Ozean zwischen Scylla Jubel und Charybdis Versagen.

Der Rücken an der starken Mauer,
fest, schützend und unverletzlich,
nimmt die latente Angst vor dem Schuss von hinten
im unfairen Duell zwischen Dir und der Welt.

Doch der Blick hinter die bröckelnden Fassaden
rauh, aufbrechend und unaufhaltbar,
zeigt das wahre Leben in seiner Dynamik
im kraftvollen Puls von Herz und Geist.

 

Strom und Sturm  2002

Konvention ist das Stützkorsett der Rückgratlosen.
Moral die Angst der anderen vor dem wirklich freien Geist.
Gewohnheit ist Langeweile, Gemeinsamkeit eine Illusion,
PHANTASIE ist das Gegenteil von Einsamkeit.

Gedanken sind Ströme auf denen wir reisen.

Ich bin ein unbekannter Fluss.
Über­win­de die Angst vor den stillen Wassern,
stürze Dich offen in die Tiefe,
und atme freier als zuvor.
 

Geborgenheit ist eine Gummizelle:
Warm und weich, doch zum Ausbruch zwingend.
Zärtlichkeit ist Spiegel des Charakters,
Sex die höchste Kunst der Egozentrik.

Gefühle sind das Wetter der Geisteslandschaft.

Meine Ruhe ist ein Sturm.
Er bläst Dir beständig ins Gesicht,
bis sich die Haut abschält
und mir Dein wahres Ich entgegenblutet.

 

Wie eine Droge  2005

 

Anfangs noch im Überschwang

Gab ich dem Gefühl mich hin

Ein Rausch, der das Erkennen nahm

Du warst wie Heroin.

 

Sehr bald, nach Tagen, Wochen schon

Zerrtest du an meinen Nerven

Bedachtest mich mit Spott und Hohn

Bösartigkeiten um dich werfend.

 

Ekelhaft, wie in der Sucht

Kreisten Gedanken nur um dich

Und ich habe dich verflucht

Mich abwenden, das konnt´ nicht.

 

Nur noch ein Kuss, nur ein Versuch

Sieh all die schönen Farben

Die Wärme, Nähe selbst dein Geruch

Wollt ohne sie nicht darben.

 

Dann endlich bin ich aufgewacht

Sah all die schnöden Lügen

Die Heuchelei, der Worte Macht

Die du missbrauchst statt sie zu lieben.

 

Mit einem Ruck riss ich mich los

Warf dich aus meinem Leben

Zerbombt hab´ ich dein Wörterschloss

Mag es auf ewig beben.